Leucin macht Ruderer schneller

20.09.2016

Die Aminosäure Leucin ist nicht nur für Kraftathleten von Interesse, die Muskelmasse aufbauen und gleichzeitig Fett abbauen wollen. Leucin ist ebenfalls interessant für Leistungsathleten. Sportwissenschaftler der James Cook University in Australien veröffentlichten 2006 die Ergebnisse einer Studie, nach der Ruderer mehr leisten, wenn sie Leucin-Kapseln eingenommen haben.
Ergometer
Studie
Die Forscher gaben 13 Ruderern – 10 Frauen und 3 Männern – jeden Tag für 6 Wochen Kapseln mit Leucin. Die tägliche Dosis war 45 mg/kg Körpergewicht. Ein imaginärer Ruderer, der 80 kg wiegt, würde daher 3,6 g Leucin pro Tag aufnehmen. Die Testpersonen entschieden sich selbst, wann sie ihre Leucinkapseln nehmen würden.

Während eines weiteren sechswöchigen Zeitraums nahmen die Ruderer ein Placebo-Mittel ein.

Am Ende des Ergänzungszeitraums ließen die Forscher die Ruderer für 10 Sekunden auf einem stehenden Ruderergometer maximal trainieren – eine Maschine, die es den Forschern erlaubt, das Ausdauervermögen der Muskeln im Oberkörper zu testen (siehe Illustration).

Ergebnisse
Als die Ruderer Leucin eingenommen hatten, waren sie fähig, mehr Leistung während der kurzen aber maximalen Anstrengung zu entwickeln. Leucinergänzung erhöhte auch die Menge der Anstrengung, aber die Wirkung war statistisch nicht bedeutend.

Leucin

Ruderer

Die Forscher machten einen anderen Test mit den Ruderern, bei dem sie sie mit 75 Prozent ihrer maximalen aeroben Kapazität rudern ließen. Sie maßen dann die Zeit, für die die Personen diese Geschwindigkeit aufrechterhalten konnten. Die Abbildung oben zeigt, dass Leucinergänzung die Zeit verbesserte.

Keine Erklärung
Die Forscher hatten die Tryptophantheorie im Hinterkopf, als sie dieses Experiment vorbereiteten. Diese Theorie besagt, dass die Muskeln während der Anstrengung – und auch nach dem Konsum großer Mengen insulinfördernder Kohlenhydrate – dem Blut alle Aminosäuren entziehen. Außer einer: Tryptophan. Muskeln nehmen sehr wenig Tryptophan aus dem Blut auf.

Die Tryptophanmoleküle, die im Blut bleiben, haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, im Gehirn zu enden. Bei ihrer Ankunft wandeln Enzyme sie in das einschläfernde Hormon Melatonin um. Es braucht kein Genie, um festzustellen, dass Athleten nichts Gutes leisten, wenn sie schläfrig sind.

Die Forscher fanden keinen Beweis dieser Theorie. Die Wirkung der Ergänzung auf die Aminosäuren im Blut war zu gering, um die Verbesserung der Leistung zu erklären.

Quelle:
Eur J Appl Physiol. 2006 Aug;97(6):664-72.

Dieser Artikel auf Englisch:
Leucine makes rowers faster